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Die Geschichte der Fosanegl...

Was ist ein Fosanegl?

Der Fosanegl ist eine Fastnachtsfigur, die im Landkreis Eichstätt, genauer gesagt in Kinding, im Naturpark Altmühltal beheimatet ist.

Die aufwendige Kostümierung des Kindinger Fosanegl wird nachfolgend noch genauer beschrieben. Die Goaßl und das Schnalzen, das austeilen von Brezen und Guatsln ist – soviel sei gesagt – ist ebenfalls fester Bestandteil des Brauchstums, das während der Fastnachtstage ausgeübt wird.

Wo liegen die Ursprünge des Brauchs?

Gesicherte Erkenntnisse lassen den Brauch bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Es gibt drei Deutungen über den Ursprung. Demnach ist der Brauch in der Pestzeit entstanden oder er hat sich aus dem mittelalterlichen Fastnachtstreiben entwickelt oder seine Wurzeln reichen sogar bis in die vorchristliche Zeit.

 

Der älteste Kindinger Fosanegl ist ohne Zweifel der von Familie Pröll und der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zuzuordnen. Der Vater des heutigen Besitzers bekam ihn um 1910 von einem Onkel geschenkt. Wie lange das Kostüm im Besitz dieses Onkels war, ist nicht bekannt. Man weiß lediglich, daß er es in Wiesenhofen erstanden hatte.

Die Maske ist aus Lindenholz geschnitzt und farbig gefaßt. Sie ist glattflächig gestaltet und zeigt keine markant-männlichen, sondern eher weibliche Gesichtszüge. Die hohe Stirne, die kurze Nase, die als sanfte Vertiefungen ausgeführten Falten und die weiche Mundpartie unterstreichen diesen Eindruck. Der erhaben herausgearbeitete, kugelförmige Bart beweist jedoch, dass auch diese Maske „männlichen Geschlechts“ ist. Der zinnoberrote Mund ist leicht geöffnet und läßt oben zwei und unten drei Zähne sichtbar werden. Die schwarzbraunen Augenbrauen und die sepiafarbenen Augenumrandungen kontrastieren gut mit der Gesichtsfarbe, die in einem milchigen Hautton gehalten ist. Einige Beschädigungen, die teilweise wieder ausgebessert wurden, weisen auf das hohe Alter und einen häufigen Gebrauch der Maske hin.

Haube, Jacke und Hose sind aus naturfarbenem, handgewebtem Leinen gefertigt und mit in Form und Größe unterschiedlichen, hellroten, dunkelroten und violettfarbigen Rauten besetzt.

Die Haube hat am Hinterkopf einen vierzehn Zentimeter breiten Spiegelstoffstreifen mit zickzackförmig aufgenähter Goldborte, eingerahmt von einer violettfarbenen Wollborte. Obenauf sitzt der Schellenbaum, der, wie bei allen Kindinger Nicklgewändern, aus Holz besteht, welches mit Stoff überzogen ist. An der Spitze sind ein Glöckchen und rote Bänder befestigt.

Die Jacke mit einem Häkchenverschluß hatte früher zwei Reihen Spiegelknöpfe, Rauten, Spiegelstoff und Wollborte sind in Farbe, Größe und Machart vergleichbar mit der Gestaltung der Haube. Am Rücken befindet sich ein rechteckiges Teil, das mit dunkelrotem und mittelrotem Stoff besetzt ist. Auf dem Goldborten zickzackförmig aufgenäht sind. Umrahmt wird dieser „Schwanz“ von einer grünen Plüschborte. Fünf violette Wollborten gehen strahlenförmig auseinander. Am unteren Ende hängen drei Wollquasten. Die Goldborten am Jackenabschluß, der vorne abgerundet ist, sind ebenfalls zickzackförmig. Von den Ärmelenden aufwärts streben große rote Stoffdreiecke.

Wie bei Haube und Jacke sind bei der Hose verschieden große, hellrote, dunkelrote und violette Rauten, dunkelgrüner Spiegelstoff mit zickzackförmiger Goldborte und violetter Wollborte als Schmuckelemente aufgenäht. Der Hosensaum ist mit rotem Cordsamt besetzt. Die Hose weist zwei Taschen auf und ist an den Beinen seitlich geschlitzt.

Da sich Kindinger und Enkeringer Fastnachtsbräuche relativ wenig vom Kipfenberger Fasenickllaufen unterscheiden, möchte ich nicht weiter darauf eingehen. Ganz erfreulich ist eine Belebung des Brauches durch das Herstellen neuer Gewänder. So konnten 1982/1983 an die zwanzig Kostüme angefertigt werden, weitere sollen folgen. Diese Begeisterung für ein bodenständiges Fastnachtsbrauchtum sollte – das wäre zu wünschen – auch andernorts möglichst viele Nachahmer finden.

Quelle: auszugsweise aus "Der Fasenickl im Altmühltal"

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